Dein eigener proaktiver KI-Assistent: Morgen-Briefing, das von selbst kommt und sich nur meldet, wenn du handeln musst

Von Ernst Neumeister · Lesezeit ca. 7 Minuten

Normalerweise läuft KI so: Du fragst, sie antwortet. Gerade bauen die großen Anbieter Assistenten, die nicht warten, bis du fragst, sondern von selbst für dich arbeiten. OpenAI hat dafür „Dots“ vorgestellt. In Europa gibt es das im normalen Pro-Abo bisher nicht. Warten musst du darauf aber nicht.

Ich habe so einen Assistenten längst, mit Claude. Er heißt Henry und ist mein KI-Co-Founder. Er schickt mir jeden Morgen mein Briefing, schreibt Mail-Entwürfe und sammelt meine Belege für die Buchhaltung. Und er meldet sich nur, wenn ich wirklich etwas tun muss. So bleibt mehr Zeit fürs Pumpfoilen, für meine Kunden und für meine kleine Tochter.

Auf dieser Seite bekommst du die Bausteine, mit denen du dir das Wichtigste davon selbst einrichtest: einen Briefing-Prompt, eine geplante Aufgabe, die ihn jeden Morgen von selbst startet, und die Regel, die aus einem nervigen Bot einen guten Assistenten macht. Das funktioniert mit Claude oder einer anderen KI deiner Wahl.

Das bekommst du am Ende

Das brauchst du

Baustein 1: Der Briefing-Prompt

Das ist der Text, den dein Assistent jeden Morgen abarbeitet. Ersetze die Teile in eckigen Klammern durch deine Angaben. Teste ihn zuerst einmal von Hand, bevor du ihn automatisch laufen lässt: Kopiere ihn in einen neuen Chat und schau, ob das Ergebnis passt.

Du bist mein persönlicher Assistent. Erstelle mir ein Morgen-Briefing, das ich in zwei Minuten lesen kann.

ÜBER MICH
[Was ich beruflich mache, in zwei bis drei Sätzen]
Meine wichtigsten Ziele in diesem Quartal: [Ziel 1], [Ziel 2], [Ziel 3]

SCHAU DIR DAFÜR AN
1. Meinen Kalender für heute: Termine mit Uhrzeit, Überschneidungen und Termine, auf die ich mich vorbereiten sollte.
2. Meine Mails der letzten 24 Stunden: nur die, die eine Antwort, eine Entscheidung oder eine Freigabe von mir brauchen. Newsletter, Werbung und reine Info-Mails ignorierst du.
3. Meine Ziele: Gibt es heute etwas, das mich einem Ziel näherbringt?

SO SOLL DAS BRIEFING AUSSEHEN
- Ganz oben: "Das musst du heute tun", höchstens drei Punkte.
- Dann meine Termine, eine Zeile pro Termin.
- Dann die wichtigen Mails: pro Mail eine Zeile (Absender, worum es geht) und ein Vorschlag, was ich antworten sollte.
- Zum Schluss ein Satz zu meinen Zielen.
- Kurze Sätze, keine Floskeln, kein Smalltalk.

WICHTIG
- Du darfst nur lesen und Entwürfe vorschlagen. Verschicke nichts, lösche nichts, sage keine Termine zu oder ab, ohne dass ich es freigebe.
- Wenn du dir bei etwas nicht sicher bist, schreib das dazu, statt zu raten.

Baustein 2: Die geplante Aufgabe

Jetzt sorgst du dafür, dass der Prompt jeden Morgen von selbst läuft. Beide Anbieter haben dafür geplante Aufgaben. Sag deiner KI einfach, was du willst. Du kannst diesen Text verwenden:

Lege aus dem Briefing-Prompt oben eine geplante Aufgabe an: Sie soll von Montag bis Freitag jeden Morgen um 7:00 Uhr laufen. Zeig mir vorher, welche Mails- und Kalender-Zugriffe sie dafür braucht, und führe mich Schritt für Schritt durch die Einrichtung. Wenn du etwas nicht selbst einstellen kannst, sag mir genau, wo ich klicken muss.

Zwei Dinge solltest du vorher wissen, damit du dich nicht wunderst:

Prüfe nach der Einrichtung einmal, ob am nächsten Morgen wirklich etwas ankommt. Die ersten Tage lohnt sich ein kurzer Blick, ob das Briefing das enthält, was du brauchst. Sag der KI einfach, was sie ändern soll: „Zu lang“, „die Termine bitte zuerst“, „die Newsletter-Mails stehen noch drin“.

Baustein 3: Die Regel „melde dich nur, wenn ich handeln muss“

Das ist der Teil, der aus einem Assistenten, der dich nervt, einen macht, den du behalten willst. Die meisten KI-Helfer melden alles. Dann schaltest du nach drei Tagen die Benachrichtigungen aus. Mein Assistent folgt einer einfachen Regel, und die kannst du übernehmen:

Dauerhafte Regel für alles, was du für mich im Hintergrund erledigst: Melde dich nur, wenn ich etwas tun muss. Das heißt: eine Antwort oder Entscheidung von mir, eine Freigabe, eine Frist, die näher rückt, oder ein Konflikt in meinem Kalender.

Sortiere jede Meldung in eine von drei Stufen:
- DRINGEND: Ich muss heute reagieren. Das steht ganz oben.
- HEUTE: Es steht heute an, hat aber Zeit bis zum Nachmittag.
- KANN WARTEN: Das sammelst du für das nächste Briefing und schickst es nicht einzeln.

Wenn nichts auf meine Entscheidung wartet, schreib nur einen Satz: "Heute braucht dich nichts." Wenn du etwas erledigt hast, ohne mich zu fragen (zum Beispiel einen Entwurf geschrieben), erwähne es kurz im Briefing, aber löse dafür keine eigene Nachricht aus.

Lege diese Regel dort ab, wo deine KI dauerhafte Anweisungen speichert: in Claude zum Beispiel in den Projekt-Anweisungen oder in den Einstellungen, in ChatGPT in den persönlichen Anweisungen. Frag sie im Zweifel, wo.

So wird daraus ein echter Assistent

Das Briefing ist der Anfang. Bei mir ist daraus Schritt für Schritt Henry geworden. Diese Ausbaustufen kannst du später jeweils mit einem einzigen Satz an deine KI hinzufügen:

  1. Mail-Entwürfe: „Schreib mir zu den Mails, die eine Antwort brauchen, Entwürfe in meinem Ton. Lege sie als Entwurf ab, aber verschicke nichts.“
  2. Belege sammeln: „Such in meinen Mails nach Rechnungen und Belegen und leg sie in einem Ordner für die Buchhaltung ab.“
  3. Wochenrückblick: „Fasse jeden Freitag zusammen, was ich diese Woche geschafft habe und was liegen geblieben ist.“
  4. Eigene Aufgaben: Alles, was du jede Woche gleich machst, ist ein Kandidat für die nächste geplante Aufgabe.

Mein Tipp: Füge immer nur einen Baustein hinzu und lass ihn eine Woche laufen. Wer alles auf einmal anschaltet, weiß hinterher nicht, was gut funktioniert und was nervt.

Sicherheit und Datenschutz

Ehrlich gesagt: die Grenzen

Häufige Fragen

Funktioniert das auch ohne Claude?

Ja. Die Bausteine sind KI-neutral geschrieben. Du brauchst eine KI, die deine Mails und deinen Kalender lesen und Aufgaben nach Zeitplan ausführen kann. Ich selbst arbeite mit Claude, weil ich damit meinen Assistenten Henry gebaut habe.

Kann der Assistent in meinem Namen Mails verschicken?

Technisch oft ja, ich würde es am Anfang aber nicht erlauben. Lass ihn Entwürfe schreiben und verschick selbst. Bei mir liegen die Entwürfe im Entwurfsordner und ich schicke sie per Klick ab.

Was ist Dots von OpenAI?

Ein Assistent von OpenAI, der dauerhaft läuft, deine Ziele und Apps kennt und von selbst Aufgaben erledigt. Für Nutzer im normalen Pro-Abo in Europa ist er bisher nicht verfügbar. Ob und wann das kommt, weiß ich nicht. Die Bausteine auf dieser Seite funktionieren heute schon.

Keine Lust, das selbst zu bauen?

Verständlich 😄 In meiner kostenlosen Community kannst du jederzeit in einen bezahlten Plan (Premium oder VIP) upgraden. Dann bekommst du meine fertigen Setups und Workflows (dieselben, mit denen meine eigenen KI-Agenten arbeiten), und Claude passt sie nur noch an dein Business an.

Und jetzt du

Nimm dir 20 Minuten, kopier den Briefing-Prompt, probier ihn einmal von Hand aus und plane ihn dann für morgen früh ein. Wenn du am nächsten Tag zum ersten Mal ein fertiges Briefing vorfindest, statt selbst Mails und Termine zu sortieren, willst du es nicht mehr missen. Schreib mir danach auf Instagram, was dein Assistent als Erstes für dich übernommen hat. Ich freue mich über jede Nachricht. ❤️

PS: Falls du über „Kommentiere DOTS“ hierher gekommen bist – die DM kam von meinem selbstgebauten System. Wie du dir das baust, zeige ich dir in meiner kostenlosen Community: hier geht's direkt zum Video. 😉